Institut für Fahrzeugtechnik / Automotive Engineering
Institutsleiter: Dr. Kurt Steiner

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FH-JOANNEUM - Institut für Fahrzeugtechnik / Automotive Engineering

Vortragsreihe: Innovationen in der Fahrzeugtechnik

Organisation der Vortragsreihe: Dipl.-Ing. Dr. Herbert Fellner

Techn. Support: Ing. Wolfgang Dautermann BSc



Not just an Electric Truck – A Solution to Heavy Transport Electrification


Bild: Bet Motors
Bild: Bet Motors


Ort & Zeit:

24.03.2026 | 18:00

FH JOANNEUM Graz
Hörsaal G.AP147.005
Alte Poststraße 147
8020 Graz
[Kalendereintrag]
Zum Thema:
Schwere Nutzfahrzeuge machen zwar nur 2 % des europäischen Straßenverkehrs aus, verursachen aber 27 % der CO₂-Emissionen im Transportsektor. Die EU-Verordnung für schwere Nutzfahrzeuge (EUHDV CO₂-Verordnung) schreibt eine Reduzierung der Flottenemission um 45 % bis 2030 vor.

Die heutigen Elektro-Lkw – Volvo FH Electric (340 km), Daimler eActros 600 (500 km) und Scania 40R (427 km) – basieren jedoch auf Nachrüstungen, bei denen Batterien auf Fahrgestelle aus der Dieselära montiert werden. Dies begrenzt die Reichweite im realen Fahrbetrieb auf 300–500 km und reduziert die Nutzlast um bis zu 40 %. Aufgrund dieser Einschränkungen ist der Fernverkehr, der 70 % der europäischen Gütertonnenkilometer ausmacht, nahezu vollständig unelektrifiziert.

Logistikunternehmen stehen vor einem ungelösten Dilemma: Der regulatorische Druck fordert die Elektrifizierung, doch es gibt keine überzeugende Lösung für den Fernverkehr. Winterliche Bedingungen, Kabinenheizung, Verkehr und Leerlaufverbrauch verringern die tatsächliche Reichweite zusätzlich, wodurch der Flotteneinsatz aktueller Elektro-Lkw eher ein wirtschaftliches Risiko als ein praktikabler Übergangsweg darstellt.

Die BET-Motors GmbH löst dieses Problem grundlegend mit dem ExoSkate™: dem ersten von Grund auf elektrisch betriebenen Fahrgestell für 42-Tonnen-Schwerlast-Lkw. Anstatt Batterien in einen bestehenden Rahmen nachzurüsten, ist beim ExoSkate™ die Batterie selbst der Rahmen – ein zehnschaliges Stahl-Exoskelett, bei dem Strukturzellen die passive Chassis-Masse ersetzen.

Diese von Grund auf neu entwickelte Architektur ermöglicht eine reale Reichweite von über 1.000 km mit einer strukturellen Batteriekapazität von 720–1.080 kWh und hält gleichzeitig das Leergewicht der Zugmaschine unter 9 Tonnen, was dem von dieselbetriebenen Nutzfahrzeugen sehr ähnlich ist. BET-Motors hat jedes wichtige Subsystem neu entwickelt: ein speziell konstruiertes Exoskelett-Chassis, einen neuen Elektroantrieb mit aktiv angetriebener und lenkbarer Vorderachse (der weltweit einzige 42-Tonnen-Lkw mit dieser Funktion), speziell entwickelte und hochintegrierte Batteriemodule, eine hauseigene VCU- und BMS-Anwendungssoftware sowie einen nativen 1-MW-bidirektionalen V2G-Antriebsstrang.

Das Ergebnis ist ein realer Energieverbrauch von <0,8 kWh/km, 40 % weniger als bei Wettbewerbern, und prognostizierte Gesamtbetriebskosten von 0,80 €/km, was einer Reduzierung von 42% gegenüber Diesel entspricht.

Mit einer Reichweite, die jede zulässige Tagesfahrstrecke (650–700 km) übersteigt, macht ExoSkate™ das Schnellladen unterwegs überflüssig: Der Lkw lädt über Nacht zum Depottarif und muss während des Arbeitstages nicht anhalten. Flottenbetreiber können den Ladezustand (SOC) mit 450 kW Gleichstrom in ca. 1 Stunde und 10 Minuten von 10 auf 80 % erhöhen (entspricht einer realen Reichweite von ca. 650–700 km auf EU-Autobahnen). Dies bedeutet vergleichsweise geringe Investitionskosten für Depots. ExoSkate™ beweist, dass teures Schnellladen eine unnötige Belastung für den Betrieb darstellt.

Den ganzen Tag fahren, im Depot laden, die Gesamtbetriebskosten senken. Bis 2032 will BET-Motors 2.200 ExoSkate™ auf Europas Straßen haben, 2 GWh mobilen Speicher nutzen, eine halbe Million Tonnen CO₂ einsparen und Europas Referenzplattform für emissionsfreie Fernlogistik etablieren.
Vortragende: Andreas Volk und Hemant Bansal, Bet Motors, Unterpremstätten
Andreas Volk war vor der Mitgründung von BET-Motors in verschiedenen Führungspositionen in der Elektrifizierungsentwicklung der AVL-Gruppe. Vor seinem Eintritt bei AVL sammelte er zwölf Jahre Erfahrung in verschiedenen Ingenieurpositionen bei Mercedes-Benz. Von 2006 bis 2010 unterstützte er Audi und Mercedes-Benz als Entwicklungsingenieur bei ihren Aktivitäten in Le Mans und der Formel 1.

Hemant Bansal, Mitgründer von BET-Motors, blickt auf 15 Jahre Berufserfahrung in der Automobilindustrie zurück, darunter acht Jahre in der Elektrifizierungsentwicklung bei der AVL List GmbH. Zuvor war er in Lkw-Entwicklungsteams bei Mercedes-Benz in Deutschland und Ashok Leyland in Indien tätig.
Hinweis:
Der Eintritt ist frei. Studierende, Mitarbeiter:innen und externe Besucher:innen sind herzlich willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wir danken unseren Sponsoren:
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